Spezialdichtungen

Bei Spezialdichtungen handelt es sich um Dichtungen, Packungen oder federunterstützte Dichtungslösungen, die nicht durch Standards abgedeckt sind. Dafür kann es mehrere Gründe geben:

 

- Die erforderliche Dichtheit kann mit Standardlösungen nicht realisiert werden.

- Die Dichtungslösungen sind eine Anpassung an die vorhandene Dichtungsumgebung, um keine   

  Änderungen am Behälter oder der Armatur vornehmen zu müssen.

- Änderungen von Betriebsbedingungen oder Dichtheitsanforderungen ohne die Möglichkeit,

  Veränderungen an der Dichtungsumgebung vornehmen zu können.

 

Die wichtigsten Lösungsmöglichkeiten für Dichtheitsprobleme liegen dabei in der Verwendung von Dichtungen im Kraft-Nebenschluss, der Befederung von Armaturenpackungen oder der Flanschbefederung.

Krafthauptschluss / Kraftnebenschluss

Die Klassifizierung von Dichtungen kann nach verschiedenen Kriterien erfolgen. Eine Möglichkeit ist die
Unterteilung in Dichtungen im Kraftnebenschluss und Krafthauptschluss.

 

Im gebräuchlicheren Krafthauptschluss (im Bild links) erfolgt die Übertragung der Verbindungskraft der Flansche durch die Dichtung hindurch. In der Auslegung muss daher berücksichtigt werden, daß die aufgebrachte Dichtkraft die erforderliche Dichtheit über die gesamte Lebensdauer realisiert, die Ausblassicherheit der Dichtung garantiert, eine Überpressung der Dichtung ausschließt und Setzerscheinungen der Dichtverbindung kompensiert.

 

Der Kraftnebenschluss (im Bild rechts) leitet die aufgebrachte Kraft ab einer bestimmten Größe an der Dichtung vorbei, so dass die Dichtung mit einer definierten Kraft verpresst wird und der aufgebrachte Kraftüberschuss zur Dichtkraft ausschließlich als Verbindungskraft metallischer Bauteile wirkt. Es können somit eine Reihe von Vorteilen realisiert werden:

 

- Schmale Dichtflächen zur Erzielung einer hohen Flächenpressung
- Schutz vor Überpressung
- Ausblassicherheit
- Minimierung von Setzerscheinungen
- Unterbindung von Medienabrasion

Befederte Dichtsysteme Für Flansche

Flanschdichtungen müssen zur Aufrechterhaltung der Dichtheit immer mit einer Mindestflächenpressung beaufschlagt werden. Der rechnerische Nachweis kann mit den zur Verfügung stehenden Berechnungsmethoden relativ genau geführt werden.

 

Der Nachteil dieser Berechnungsmodelle liegt jedoch darin, dass die Berechnung nur für statische Zustände durchgeführt werden kann und nicht für Zwischenzustände wie die Aufheiz- oder Abkühlphase, die die größte Gefahr für das Auftreten von Leckagen darstellen. Während des Aufheizens und Abkühlens kommt es in der Flanschverbindung zu Verschiebungen vorrangig durch unterschiedliche Wärmeausdehnungen von Flanschen, Schrauben, Muttern und Dichtungen. Das Ergebnis kann eine so starke Entlastung der Dichtverbindung sein, daß die Mindestflächenpressung der Dichtung unterschritten wird.

 

Ein Weg, die erforderliche Dichtpressung aufrecht zu erhalten, ist der Einsatz von Spannscheiben. Ihre Wirkung ist unabhängig von der Wärmeausdehnung, da die Kraftübertragung einer Spannscheibe über ihre Geometrie erfolgt und nicht über eine Temperaturänderung. => Detaillierte Informationen zu befederten Flanschdichtsystemen

Befederte Dichtsysteme Für Armaturen

Das Ziel einer Armaturenbefederung ist die Verbesserung der Armaturen in Bezug auf ihre Dichtheit, Lebensdauer und Funktionsfähigkeit. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Aufrechterhaltung der erforderlichen Dichtpressung während des gesamten Betriebszeitraums. Dazu werden als zusätzliche Bauelemente Federsäulen gesetzt, die über einen definierten Federweg und mit einer an die Betriebsbedingungen angepassten Federkraft die Packung beaufschlagen.

 

Die Packung besteht aus einer Kammerung (erster und letzter Ring) und der dazwischen liegenden Dichtzone. Die zusätzlich aufgesetzten Federsäulen halten die Dichtkraft über einen definierten Federweg weitgehend konstant. Beim Setzen der Packung werden der auf der Brille aufsitzende Deckel der Federsäule und der die Federn umhausende Topf auseinander gedrückt, so daß ein sichtbarer Spalt als Indikator für ein erforderliches Nachziehen der Federsäulen entsteht. 

 

Die Bolzen müssen nicht ausgetauscht werden, da die Verlängerung bereits in den Federsäulen integriert ist.

=> Detaillierte Informationen zu befederten Spindeldichtsystemen